ATX (Advanced Technology eXtended) ist ein 1995 von Intel entwickelter Industriestandard für Mainboard-Formfaktor, Gehäuseabmessungen, Stromanschlüsse und Komponentenpositionierung in Desktop-PCs. ATX ist seit fast 30 Jahren der dominierende Standard für Desktop-PCs und Workstations. Er definiert, wie Mainboard, Netzteil, Gehäuse und Erweiterungskarten verschiedener Hersteller zusammenpassen – das ist die Grundlage für die Modularität und Aufrüstbarkeit des Desktop-PC-Markts. In Notebooks spielt ATX keine Rolle; dort sind proprietäre Formfaktoren üblich. Für refurbished Desktop-PCs und Workstations ist ATX das Rahmenwerk, das Upgrades und Erweiterungen nach dem Kauf ermöglicht.
ATX-Formfaktoren: Alle Varianten im Vergleich
| Formfaktor | Abmessungen | PCIe-Slots | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| ATX | 305 × 244 mm | 4–7 Slots | Standard Desktop-PC, Workstation, Gaming |
| Micro-ATX (mATX) | 244 × 244 mm | 2–4 Slots | Kompakte Desktop-PCs, Office-Systeme |
| Mini-ITX | 170 × 170 mm | 1 Slot | Sehr kompakte Systeme, HTPC, Mini-PCs |
| E-ATX (Extended) | 305 × 330 mm | 7–8+ Slots | High-End-Workstations, viele Erweiterungskarten |
| Nano-ITX | 120 × 120 mm | Minimal | Embedded, Industrie-PC |
Was ATX konkret definiert
ATX standardisiert weit mehr als die Mainboard-Größe. Der vollständige Standard umfasst:
- Abmessungen und Befestigungspunkte: Einheitliche Bohrlöcher und Abstände im Gehäuse. Ein ATX-Mainboard passt in jedes ATX-Gehäuse – unabhängig von Hersteller.
- Stromanschlüsse: 24-poliger ATX-Hauptstecker, 4/8-poliger CPU-Stecker (EPS12V), 6/8-polige PCIe-Stecker für Grafikkarten. Netzteile verschiedener Hersteller sind kompatibel.
- I/O-Backpanel-Position: Die externen Anschlüsse sitzen auf der Rückseite an einer standardisierten Position – das I/O-Backpanel-Blech des Gehäuses passt für alle ATX-Mainboards.
- Airflow-Richtung: Standardisierte Luftströmung von vorne nach hinten beeinflusst Gehäuse-Design und Kühlungsanordnung.
ATX-Netzteile: Standardisierte Stromversorgung
Ein wesentlicher Vorteil von ATX ist das austauschbare Netzteil (PSU). ATX-Netzteile sind herstellerunabhängig kompatibel – ein defektes Netzteil in einem refurbished Desktop-PC kann durch jedes andere ATX-Netzteil geeigneter Wattzahl ersetzt werden. Netzteile werden nach Wirkungsgrad mit 80-Plus-Zertifikaten bewertet:
| 80-Plus-Zertifikat | Mindestwirkungsgrad bei 50 % Last | Empfehlung |
|---|---|---|
| 80 Plus Standard | 80 % | Mindeststandard |
| 80 Plus Bronze | 85 % | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| 80 Plus Gold | 90 % | Empfehlenswert für Dauerläufer |
| 80 Plus Platinum | 92 % | Für energieintensive Workstations |
| 80 Plus Titanium | 94 % | High-End-Server und Workstations |
Für refurbished Workstations empfiehlt sich mindestens 80 Plus Bronze: weniger Abwärme, niedrigere Stromkosten und höhere Zuverlässigkeit als Basis-Netzteile.
PCIe-Erweiterungsslots: Das Herz der ATX-Aufrüstbarkeit
ATX-Mainboards haben typischerweise mehrere PCIe-Slots (PCI Express) für Erweiterungskarten:
- PCIe x16: Volle Bandbreite, hauptsächlich für Grafikkarten. Voll-ATX-Mainboards haben oft 2 x16-Slots.
- PCIe x8/x4: Für RAID-Controller, HBA, NVMe-Adapter, 10-GbE-Netzwerkkarten.
- PCIe x1: Für einfache Erweiterungen wie USB-Karten, Sound-Karten, WLAN-Karten.
- M.2-Slots: Physisch separat von PCIe-Karten, aber ebenfalls PCIe-basiert für NVMe-SSDs. Moderne ATX-Mainboards haben 2–4 M.2-Slots.
ATX bei refurbished Desktop-PCs: Warum es wichtig ist
Bei refurbished Desktop-PCs und Workstations ist ATX der Grund für exzellente Aufrüstbarkeit. Ein Tower-PC mit ATX-Mainboard – etwa HP EliteDesk Tower, Dell OptiPlex Tower oder Lenovo ThinkCentre Tower – lässt sich nach dem Kauf in vielen Komponenten erweitern:
- RAM-Upgrade: DIMM-Slots zugänglich, oft auf 64–128 GB erweiterbar.
- Speicher-Upgrade: SATA-SSD oder NVMe über M.2 tauschen oder ergänzen.
- Grafikkarte nachrüsten: Wenn ein PCIe-x16-Slot frei ist und das Netzteil ausreichend Leistung liefert.
- Netzwerkkarte ergänzen: 2,5-GbE-, 10-GbE- oder WLAN-Karte über PCIe einbauen.
- Netzteil tauschen: Bei Defekt einfach durch passendes ATX-Netzteil ersetzen – keine proprietären Einschränkungen.
Micro-ATX vs. ATX für Office-Systeme
Für normale Office-Arbeit reicht Micro-ATX vollständig aus. Mit 2–4 PCIe-Slots, meist 4 RAM-Slots und vollständigem ATX-Kompatibilität ist Micro-ATX kompakt und günstig. ATX lohnt sich, wenn viele Erweiterungskarten parallel benötigt werden – etwa in einer Workstation mit dedizierter GPU, RAID-Controller und 10-GbE-Netzwerkkarte. Für refurbished Office-Systeme sind Micro-ATX-Konfigurationen oft die sinnvollere Wahl: kompakter, günstiger und für normale Büroaufgaben genauso leistungsfähig.
ATX vs. proprietäre Formfaktoren
Nicht alle Desktop-PCs nutzen ATX. Hersteller wie HP (EliteDesk SFF, Mini) und Dell (OptiPlex SFF, Micro) bieten auch proprietäre Compact-Designs mit eigenem Gehäuse- und Netzteil-Format. Diese Geräte sind kompakter und teils mit integrierten Netzteilen, aber eingeschränkt in der Aufrüstbarkeit: Grafikkarte nachrüsten ist meist nicht möglich, Netzteil-Tausch erfordert Original-Komponenten. Für maximale Langzeitaufrüstbarkeit ist ein Tower-ATX- oder Micro-ATX-System besser geeignet.
ATX-Netzteile kaufen: Worauf zu achten ist
Beim Kauf eines Ersatz- oder Upgrade-Netzteils für einen refurbished Desktop-PC sind folgende Kriterien wichtig:
- Wattzahl: Das Netzteil muss die maximale Gesamtlast aller Komponenten decken. Grundregel: CPU-TDP + GPU-TDP + 100 W Puffer ergibt die Mindest-Wattzahl. Ein Office-System ohne dedizierte GPU kommt mit 250–350 W aus; ein Gaming-PC mit High-End-GPU braucht 650–850 W.
- 80-Plus-Zertifikat: Mindestens Bronze für normale Systeme; Gold oder höher für Systeme, die viele Stunden täglich laufen.
- Kabelmanagement: Vollmodulare Netzteile (alle Kabel steckbar) oder semi-modular (Hauptkabel fest, Rest steckbar) erleichtern saubere Kabelverlegung im Gehäuse.
- Markenhersteller: Seasonic, be quiet!, Corsair, EVGA, Fractal Design – von diesen Herstellern sind zuverlässige ATX-Netzteile für Heimanwender erhältlich.
ATX-Gehäuse: Formfaktor und Kompatibilität prüfen
Beim Kauf eines ATX-Gehäuses für einen refurbished PC oder eine Eigenbauplattform muss die Kompatibilität geprüft werden:
- ATX-Mainboards (305 × 244 mm) passen in ATX-Gehäuse und E-ATX-Gehäuse.
- Micro-ATX-Mainboards (244 × 244 mm) passen in ATX-, Micro-ATX- und E-ATX-Gehäuse.
- Mini-ITX-Mainboards (170 × 170 mm) passen nur in Mini-ITX- und ausgewählte Micro-ATX-Gehäuse.
- Grafikkartenlänge und CPU-Kühler-Höhe sind entscheidend – im Gehäuse-Datenblatt auf maximale Einbaumaße achten.
Strom-Effizienz im Büroalltag: ATX-PCs im Vergleich zu Notebooks
Ein relevanter Aspekt bei refurbished Desktop-PCs mit ATX-Formfaktor: der Stromverbrauch im Vergleich zu Notebooks. Desktop-PCs verbrauchen im Leerlauf typischerweise 20–60 Watt (ohne dedizierte GPU), unter Last 80–150 Watt. Notebooks verbrauchen im Leerlauf 5–15 Watt, unter Last 20–45 Watt. Wer einen Desktop-PC täglich 8 Stunden betreibt und Stromkosten senken möchte, sollte auf ein 80-Plus-Gold- oder Platinum-Netzteil achten – die Einsparung rechnet sich bei Dauerbetrieb über mehrere Jahre.
Cooling und Lüfterkonzept bei ATX-Systemen
ATX definiert eine standardisierte Luftströmungsrichtung: Luft wird von der Gehäusefront eingesogen und nach hinten ausgeblasen. CPU-Kühler, Gehäuselüfter und Grafikkartenlüfter arbeiten in dieser Richtung zusammen. Bei refurbished ATX-Desktop-PCs sollten folgende Punkte nach dem Kauf geprüft werden:
- Lüfter reinigen: Nach 3–5 Jahren Betrieb haben sich Staubablagerungen auf CPU-Kühler, Netzteil-Lüfter und Gehäuselüftern angesammelt. Ein Druckluft-Spray reinigt effektiv und verbessert die Kühlleistung messbar.
- Wärmeleitpaste erneuern: Zwischen CPU und Kühler trocknet Wärmeleitpaste nach Jahren aus und verliert an Wärmeleitfähigkeit. Neues Auftragen (Arktis MX-4 oder Noctua NT-H1) senkt die CPU-Temperaturen um 5–15 °C.
- Lüftergeschwindigkeit in Windows prüfen: Unter HWiNFO64 oder MSI Afterburner lassen sich Lüfterdrehzahlen und Temperaturen überwachen. Ungewöhnlich hohe Temperaturen (CPU über 80 °C unter Last) weisen auf verstopfte Kühlung hin.
ATX-Desktop-PC kaufen: Checkliste für refurbished Geräte
Beim Kauf eines refurbished Desktop-PCs mit ATX-Formfaktor sind folgende Punkte zu beachten:
- Formfaktor prüfen: ATX-Tower ist voll aufrüstbar; SFF-Varianten (Small Form Factor) sind kompakter aber eingeschränkter beim Upgrade.
- Netzteil-Zustand: Bei älteren Geräten (5+ Jahre) Netzteil auf Kapazitätsverlust und Rauschen prüfen. Defekte Netzteile können andere Komponenten beschädigen.
- Freie Steckplätze: Wie viele RAM-Slots sind frei? Gibt es freie M.2- oder SATA-Ports? Ist ein PCIe-x16-Slot frei für eine Grafikkarte?
- Gehäusequalität: Business-Tower (HP EliteDesk, Dell OptiPlex, Lenovo ThinkCentre) haben robuste Gehäuse mit einfacher Wartbarkeit – werkzeugloser Seitenwand-Öffnung und beschrifteten Komponenten.
FAQ zu ATX
ATX (Advanced Technology eXtended) ist ein 1995 von Intel entwickelter Standard für Mainboard-Formfaktor, Stromanschlüsse und Gehäuseabmessungen bei Desktop-PCs. ATX ermöglicht Komponentenkompatibilität zwischen Herstellern und ist der dominierende Standard für Desktop-PCs und Workstations.
ATX (305 × 244 mm) bietet mehr PCIe-Erweiterungsslots (4–7) als Micro-ATX (244 × 244 mm, 2–4 Slots). Micro-ATX-Mainboards passen in ATX-Gehäuse (nicht umgekehrt). Für normale Office-Arbeit reicht Micro-ATX; für Workstations mit mehreren Karten bietet ATX mehr Flexibilität.
ATX-PCs sind modular und aufrüstbar: RAM, Speicher, Grafikkarte und Netzteil lassen sich von verschiedenen Herstellern kombinieren und tauschen. Refurbished ATX-Tower-PCs können nach dem Kauf schrittweise erweitert werden – ohne proprietäre Einschränkungen.
80 Plus ist ein Zertifizierungsstandard für Netzteil-Wirkungsgrad. 80 Plus Bronze bedeutet mindestens 85 % Wirkungsgrad bei 50 % Last – weniger Verlustleistung, weniger Wärme, niedrigere Stromkosten. Für refurbished Workstations empfiehlt sich mindestens 80 Plus Bronze.
Nein. ATX ist ausschließlich für Desktop-PCs und Workstations. Notebooks haben proprietäre Mainboard-Formfaktoren, die speziell für das jeweilige Gehäuse entwickelt wurden und nicht mit ATX-Komponenten kompatibel sind.



